Freitag, 27. Oktober 2017
Donnerstag, 26. Oktober 2017
Vancouver B.C.- Kloten- Zug- Sarnen
AWESOME!
Da standen sie mit Willkommensplakaten* an der Bande und sangen mit voller Kehle "Country road, take me home, to the place, I belong.." Ein herzergreifender Anblick, etwas für 's "Gmüet".
Wir stiessen trailgerecht draussen auf das Wiedersehen an und plauderten familiengerecht wild und fröhlich durcheinander. (Milo würde von almodovarschen Zuständen sprechen)
Ich danke Euch für den herzlichen Empfang.
Ein paar Stunden später fand ich mich alleine zu Hause wieder. Der Wagen wirkte kalt und unbelebt. Die Willkommenskarten vermochte ich erst gar nicht lesen, ich fühlte mich auf einmal verloren. Ich bin zurück, ob ich fähig bin, die Erkenntnisse und Einsichten der letzten Monate in meinen Alltag zu integrieren? Oder ob der Alltag wieder dort weitergeht, wo ich aufgehört habe? Die Angst geht vorüber. Innerlich fühlt sich einiges anders an und das ist gut so.
Die Tage und Wochen fliegen vorbei. Als Erstes stand der Umzug an. Und immer wieder wurde ich Willkommensaperos und- essen eingeladen. Es ist eine gfreute Sache. Mit den goldenen Herbsttagen erweiterte sich das Repertoire: beim gemeinsamen Wandern lässt sich wunderbar aufholen, was ich verpasst habe.
Es ist wunderbar, so empfangen zu werden. Ich trage mich deshalb mit dem Gedanken, öfters und länger zu verreisen, die erste Anregung liegt schon vor (s.u.)
Nachtrag:
Ich habe einige Leute, die ich im Blog erwähnt hatte, nicht mehr getroffen. Ab und zu habe ich über das Buschtelefon Neues erfahren.
Die Jungs von der U.N., wir haben uns später Trailmix genannt, haben sich kurz nach der Sierra aufgelöst und wurden wieder zu Solohikern. Robert (Mountain Rabbit) war anfangs September als Erster am Ziel, Master Ki und Tommii (Polar Bear) folgten ein paar Tage später. Alle Drei sorgten für Trailmagic auf dem Stevens Pass WA und verpflegten um die 25 PCT Wanderer. Ich war nicht darunter, der Pass lag schon hinter mir. Sehr schade, ich hätte die Drei gerne wiedergesehen. Wir haben die Sierra Nevada im Juni 2017 auf der Originalroute gemeinsam durchquert und dieses Abenteuer verbindet uns.
Den Englishman habe ich zum letzten Mal auf dem White Pass gesehen. Er wirkte völlig erschöpft und überlegte sich gleichwohl, die lange, feuerbedingte Wegsperre in Washington auf der Strasse zu umgehen. Er wäre eine der Wenigen, welche die beinahe 200 Kilometer Asphalt gelaufen wären.
Cotton Candy ist bis Kennedy Meadows geschwebt und hat ihre Wanderung dort abgebrochen. sie hat sich die Sierra mangels Erfahrung nicht zugetraut und will den PCT nächstes Jahr fortsetzen.
Francoise hat die kanadische Grenze erreicht und plant, die Lücken nächstes Jahr zu schliessen.
Von Dopy, dem jungen Texaner mit dem Anfängergeist, welcher alle drei amerikanischen Weitwanderwege gehen wollte, ward seit Nordkalifornien nichts mehr gehört noch gesehen. Ich fürchte, seine Pläne sind seinem Hobby zum Opfer gefallen.
Die australischen Ladies, Redback und Dropbear , haben getan, was sie von Beginn weg angekündigt haben: sie haben den Schnee vermieden.
Chasing Freedom und Hipbelt, mit denen ich am Forester Pass unterwegs gewesen bin, haben den PCT in Mount Shasta abgebrochen. Sie haben die Freude am Laufen verloren und haben die Konsequenzen daraus gezogen. Eine Entscheidung, die ich sehr bedauerte, gleichzeitig war sie mutig und klar.
Morello habe ich leider, leider auch verpasst. Sie war ein paar Tage vor mir an der Grenze und ist gleich nach Kalifornien weitergereist. Ihre Beziehung zu Teddybär hat sich nicht verändert, "Er würde mich morgen heiraten, wenn ich ihn liesse" O- Ton Morello. Obwohl sie einige Schwierigkeiten hatte und den PCT nicht vollständig laufen konnte, plant sie bereits die nächste Weitwanderung. Sie will 2019 den Continental Divide Trail laufen und hat mich als Wandergschpännli angefragt. Ich fühle mich gebauchpinselt, aber ich habe dankend abgelehnt. Bei allem Sinn für Drama: ich will nicht die Nachfolge von Teddybär antreten.
An meinem letzten Wandertag habe ich von No English gehört. Sie habe mit ihrem Trailnamen stets für Heiterkeit gesorgt. Sie hat ihre bunt getupfte Wanderpartnerin verlassen und ist zur energischen Solohikerin geworden. Sogar etwas englisch habe sie gelernt, weshalb man sich überlegt hat, sie in "Now English" umzutaufen.
Fifty Shades und Dorian, der französische Frührentner, sind an demselben Tag wie ich am Northern Terminus eingetroffen. Fifty Shades hatte vor, dort mit mir ein zeremonielles Pfeifchen zu rauchen. Ich habe ihn auf dem Rückweg angetroffen, er ist zu spät aufgestanden. Oder, wenn ich es mir so überlege, vielleicht doch nicht.
* Auf der Rückseite der Plakate wird für Psychopharmaka geworben. Zufall oder wären die Plakate je nach meinem Zustand umgedreht worden?
Dienstag, 26. September 2017
Montag, 25. September 2017
Seattle- Victoria- Vancouver, 27.9.- 1.10.17
Einmal mehr ist ein Kontrastprogramm angesagt. Heute morgen bin ich noch in der Untergeschoss- Suite bei Kay und Randy erwacht. Heute Abend schlafe ich bei Trailangel Dick und seiner Frau. Er hat sich als demokratisch- sozialistischer Aktivist vorgestellt und analysiert sogleich die aktuelle Lage. In seinem kleinen Haus leben verschiedenste Menschen: nebst ihm und seiner Frau, ein Somalier, ein amerikanisches Paar und immer mal wieder ein PCT Hiker. Ich bin nur für eine Nacht hier, um morgen in der Frühe die Fähre nach Kanada rechtzeitig zu erreichen.
Ich hatte mir stets vorgestellt, zum Abschluss dieser Reise mit dem Schiff nach Vancouver zu reisen. Eine direkte Verbindung auf dem Seeweg wird es erst ab nächstem Jahr geben deshalb reise ich via Victoria, Vancouver Island an.
Ich hatte vorgängig mit einem Trailangel in Vancouver Kontakt aufgenommen. Es hörte sich gut an, dass die Ü 50er im Haus logieren können und die Aussicht, bis zum Schluss mit der Hikerszene verbunden zu bleiben, passte mir. Als weniger reizvoll entpuppte sich, was ich antraf. In einem heruntergekommenen Haus traf ich auf eine mürrische Vertretung, die von nichts wusste. Ich machte mich sogleich auf, einen gastlicheren Ort zu finden, obwohl online alles ausgebucht war. Und wurde fündig.
Fast alle Vorhaben sind verwirklicht: ich bin satt, es ist Zeit, den Heimweg anzutreten und den Blog zu beenden. Es ist an der Zeit, wieder direkt mit Euch zu reden und aufzuholen, was in Eurem Leben in den vergangenen Monaten geschehen ist. Schliesslich, während ich gelaufen bin, habt Ihr gearbeitet, Euch pensionieren lassen, Kinder zu Bett gebracht, habt geheiratet, eine Firma gegründet, ein Haus gekauft, habt gekündigt und Neues in Angriff genommen, geliebt und entliebt und ich- ich war immer noch am Laufen.
Ob ich Euch verändert vorkommen werde? Weichgespült und sanftmütig durch die amerikanische Sprache, die im Umgang oft positiv(istisch) ist und gewisse Ausdrücke wie "love" und "fun" inflationär gebraucht?
Ohne etwas anderes zu tun, als zu laufen, hatte ich einen Sonderstatus. Ich wurde mit positiv(...) Attributen versehen; allen voran meine Radlerwaden. ("I love your calves") Was ich zuerst als Witz verstanden, habe ich schliesslich ohne Wimpernzucken entgegengenommen. Ich habe sogar die nächste Hürde in Angriff genommen und mich darin geübt, die Wörter "love, fun" und "awesome" in alle möglichen Sätze einzubauen. Ob ich dadurch irgendwelche Langzeitschäden davon tragen werde? Ich verlasse mich auf Euch, Ihr werdet mir die Antwort schonend beibringen.
Als ich 1982 von meiner ersten längeren US- Reise zurückkehrte, haben sich meine beiden Schwestern, Lisa und Vreni, krankgelacht, als sie mich mit dem Deux Chevaux vom Basler Bahnhof abholten. Als Zeichen der äusseren Veränderung hatte ich mir Locken drehen lassen. Als Zeichen der inneren Reifung hatte sich mein Wortschatz erweitert. Ich fand alles "very exiting" und habe zwischendurch " Sweetie etc." eingestreut. Was nicht zu Anerkennung meiner Entwicklung, sondern zu weiteren, hemmungslosen Lachanfällen geführt hat.
Letztlich werden sich die wichtigsten Fragen erst in der direkten Begegnung mit Euch beantworten lassen. Ich freue mich sehr auf Euch
und den Rückflug:
" I nehme no e Campari Soda.
Wiit onder mer liegt's Wolkemeer.
Dr Ventilator summet liisli
Es isch als gäb s mi nömme meh"
Fertig
Samstag, 23. September 2017
Marysville WA, 26.9.27
Die (Trail-) Magic geht weiter.
Ich konnte mit drei Jägern vom Harts Pass hinunter nach Mazama mitfahren und ging dort zum Haus eines Trailangels, von der ich gehört hatte, dass sie als erste Frau den ganzen PCT 1976 alleine gelaufen ist: Carolyn "Ravensong" Burkhart. Ich fühlte mich äusserst wohl dort, half Carolyn bei ihren Umgebungsarbeiten und putzte mit grösstem Vergnügen den ganzen Hikerhut, eine umgebaute Garage. Unter dem Dach befindet sich ein Massenlager. Dort bin ich mit einem Bettnachbarn aneinandergeraten, der vergass, sein Handy abzustellen. Ich schlief schliesslich unten auf dem Sofa, da der Kollege ziemlich ungehalten auf meinen Protest reagierte. Am nächsten Tag erklärte man mir, dass der Lärm ein Regengeräusch gewesen und als Schlafhilfe dienen würde. Die Umgebungsgeräusche würden dadurch unterdrückt. Das war lehrreich, meine Zweifel ob der Anwendung in einem Massenlager blieben bestehen.
Meine Veränderung von der PCT Thru Hikerin zur gewöhnlichen Touristin verläuft sanft. Randy und Kay, ein pensioniertes Ehepaar, welches ich in Oregon kennengelernt hatte, bestanden darauf, mich in Mazama abzuholen. Seither logiere ich komfortabel in ihrem Haus. Die beiden verwöhnen mich richtiggehend: Kay, eine leidenschaftliche Köchin, bereitete zur Feier des Thru Hikes eine Boullabaisse zu. Am Wochenende fuhren wir zum Bluesfestival nach North Bend, auf dem Rückweg direkt nach Seattle und zum Abschluss des Wochenendes traf man sich auf der Martini Piazza, welche Randy und sein Nachbar Marc zu diesem Zweck grenzüberschreitend gebaut haben.
Nach einigem Sightseeing fahre ich morgen Mittwoch mit dem Schiff nach Victoria, Vancouver Island (eine direkte Schiffs verbindung nach Vancouver gibt es nicht)
Der Heimflug rückt nun, da ich mich von Randy und Kay verabschiedet habe, definitiv näher und ich bin auf einmal etwas aufgeregt deswegen.
Freitag, 22. September 2017
Donnerstag, 21. September 2017
Southbound to Harts Pass- Mazama, 22.9.17
Auf dem Weg zurück zu meinem Zelt traf ich anfänglich noch auf altbekannte Leute und nahm die Gratulationen und Umarmungen entgegen. Die grossen Gefühle wollten sich bei mir nicht einstellen. Am Nachmittag bin ich niemandem mehr begegnet, zu unfreundlich das Wetter. Ich verzog mich ins Zelt, es sollte noch schlimmer werden. Der Regen ging in Eisregen über. Am späten Abend hörte ich Pferde vorbeigehen. Ein Pferdehalter kehrte mit seinen Packpferden von einem Camp zurück, welches er für die Jäger eingerichtet hatte. Die Jagdsaison hat eben begonnen.
Der Mittwochmorgen war kalt, aber trocken. Ich packte meine Siebensachen noch einmal und machte mich auf Richtung Süden. Obwohl ich die Strecke das zweite Mal ging, schaute mit Schnee alles anders aus. Die Weite der Landschaft, der bewegte Himmel, den ich so liebe. Es war ein leichtes und beschwingtes Gehen, der bevorstehende Abschied vom Trailleben liess mich alles intensiver erleben.
Vor dem Harts Pass ging ich bergwärts zum Feuerturm auf dem Slate Peak. Mir schwebte vor, dort meine letzte Trailnacht zu verbringen. Von Nahem sieht der allerdings deutlich weniger romantisch aus, als aus der Ferne und der Zugang war verbarrikadiert. Ich kochte mir ein "Festmahl": die letzte Trailmahlzeit (Mashed Potatoes aus Idaho), die letzte Clifbar zum Dessert, einen Kaffee und einen Schluck aus dem Flachmann. Alles mit dem Beigeschmack des letzten Males auf dem Trail.
Dort oben, 30 Meilen südlich vom offiziellen Ziel, ging für mich meine PCT Wanderung zu Ende. Der Feuerturm mochte schäbig wirken, das Panorama war atemberaubend. Als ob ich mich über den Wolken und Gipfeln, über der Welt befinden würde. Ich bin den ganzen weiten Weg von Mexiko nach Kanada gelaufen; diesem maändernden, willkürlichen Band gefolgt. Habe im südkalifornischen Wüstensand begonnen und im Schneematsch den nördlichen Terminus erreicht. Der Slate Peak, dieser abgetragenen, eingeebneten Gipfel schien mir der passende, würdigere Ort, meine PCT Wanderung zu beenden.
Ich fühl(t)e mich glücklich und dankbar, der Kreis, mein Kreis hat sich geschlossen. Ich stellte das Erreichen des Zieles nie in Frage, vertraute stets darauf, dass es gut kommen wird. Und das tat es. Ich fühle mich ausserstande, nach fünf Monaten Trailleben ein Fazit zu ziehen. Da sind mehr Fragen, als Antworten. Habe ich mich verändert? Bin ich offener geworden? Hat der PCT meinen Vorstellungen entsprochen? Etc.etc.
Was ich sicher weiss, ist, dass meine Wanderung von einem guten Stern begleitet worden ist. Wann immer sich Schwierigkeiten angedeutet hatten, stand die Lösung schon bereit: ein idyllischer Zeltplatz kam des Weges, eine Aufmunterung, ein unerwarteter Ausblick oder ein Gespräch.
So viele "Zufälle", die sich auf diesen über 4000 Kilometern ergeben haben. Ich begann mich, darauf zu verlassen. Ich habe an Vertrauen in das Leben gewonnen.
PS : Die Wanderung ist zu Ende, aber die Reise noch nicht. Ich gehe ein paar Tage nach Seattle und dann nach Vancouver. Ich freue mich darauf. Nein, Sad Dog, ich werde keine Post- Trail-Depression haben.
Grenze USA/Kanada/19.9.17/TM 2650
Der "Hikerchueche" geriet nochmals in helle Aufregung. Wir waren kaum in Stehekin dem Shuttle Bus entstiegen, als uns mitgeteilt wurde, dass eine Kaltfront im Anzug und am Sonntagabend (17.9.) ein Schneesturm zu erwarten sei. Es gab unterschiedliche Reaktionen; manche verkürzten ihre Zeit in Stehekin, um in einem Kraftakt die 80 Meilen zur Grenze hinter sich zu bringen, im Internet wurde nach einem Wetterbericht, der einen besser zusagte, gesucht, manche verlängerten ihren Aufenthalt im Dorf und andere setzten ihre Wanderung nach Norden wie geplant fort. Zu Letzteren gehörte ich. Ich genoss den Aufenthalt in
Stehekin, einem kleinen, reizvollen Nest am Lake Chelan, das nur mit Schiff oder zu Fuss erreichbar ist. Es hat ein paar Meilen Strasse und auf dieser fährt ein Shuttle Bus, der die Ausflügler und Wanderer ins Dorf fährt. Ein weiterer Ort, wo ich länger bleiben könnte, aber nicht wollte: es war an der Zeit, den PCT abzuschliessen, trotz schlechter Wetterprognose.
Wir begannen den letzten Abschnitt des PCT am Samstag. Wir, das sind Mashed Potatoes und Iron Man, ein junges Paar aus Süddeutschland. Wir haben es gut miteinander und werden den Weg an die Grenze gemeinsam gehen.
Am Sonntagnachmittag wurde es merklich kühler und es begann zu regnen. In der Nacht begann es zu schneien, ein leichter Flaum bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verzauberte die Welt. Wobei ich sie beim Aufwachen nicht verzaubert fand, auch nicht beim Hineinschlüpfen in die gefrorenen Schuhe. Die leicht verschneite Landschaft, die braun- roten Flächen über der Baumgrenze und der bewegte Himmel, das vermochte ich erst zu würdigen, nachdem wir unterwegs und mir wieder warm war. Der Wetterumschwung ist nach der langen Trockenperiode gewöhnungsbedürftig. Ich hatte stets gewitzelt, dass in diesem wettermässig verrückten Jahr uns ein früher Wintereinbruch in Washington noch fehlte. Nun ist er da.
Am Montagabend fällt die Temperatur weiter, nachts beginnt es erneut zu schneien und in unteren Lagen schlägt der Schnee in Regen um.
Am Montag (18.9.) hat es viele Leute unterwegs. Ab Hart s Pass kamen uns immer mal wieder Leute entgegen, die an der Grenze umkehrten und via Hart s Pass zurück in die Zivilisation gehen. Kevin kommt mir entgegen. Er ist am selben Tag gestartet wie ich und wir haben uns aus den Augen verloren. Welch' Freude. GiGi ist mit ihm unterwegs, ein frühpensionierter, ehemaliger Bundeswehrangestellter, den ich in Kennedy Meadows das letzte Mal gesehen habe.
Sad Dog kommt uns mit triefenden Augen entgegen. Unsere Gratulationen perlen an ihm ab. Er ist zutiefst bekümmert über das Ende des Trails. Er werde- wie alle nach dem Trail- in eine tiefe Depression verfallen. Sein Alltagsleben sei trist, das Trailleben das Wahre.
Alle sprechen mit allen; beim Kreuzen grüsst man leger mit dem Hikergruss: man tippt sich gegenseitig mit der Faust an.
Am Dienstag, 19.9.17/11:11 komme ich beim Northern Terminus an. Eine Gruppe junger Leute applaudiert den Ankömmlingen, feiert ihre Ankunft mit allerlei Unfug. Bei mir herrscht keine Feststimmung, ich bin einfach nur froh und dankbar, dass ich die kanadische Grenze erreicht habe. Das Wetter war dermassen garstig, ich wollte nur noch ankommen.
Alles andere nachher. Nach Fotos und Gratulationen verabschiedete ich mich von Mashed Potatoes und Iron Man, kehre um und mache mich auf den Rückweg zum Hart s Pass. Ich will erst zum Ende meiner Reise nach Vancouver, deshalb habe ich mich für diese Variante entschlossen. Und vielleicht hilft das Laufen mir, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Ich bin den PCT von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze gelaufen. Es ist irgendwie nicht fassbar.
Freitag, 15. September 2017
Unterwegs nach Stehekin, 15.9.17/TM 2569
Alle Zeichen deuten auf das baldige Erreichen des nördlichen Terminus an der kanadischen Grenze, hin. Noch knappe 200 Meilen/ 320 km sind zu gehen. Im gebirgigen Norden Washington's sind die Temperaturen merklich zurückgegangen und die Herbstfärbung hat eingesetzt. Die Zeit des zeltlosen Draussenschlafens ist vorbei und es ist schwieriger geworden, sich morgens aus dem Schlafsack zu schälen. Ein vorzeitiger Wintereinbruch scheint durchaus möglich. Es fühlt sich richtig an, am Ziel anzukommen.Die Tage sind gezählt, der "Hikerkuchen" ist aufgeräumter, fröhlicher Stimmung, man nimmt sich mehr Zeit zum Wandern und Plaudern. Das nahe Ende lässt alles nochmals intensiver er- und aufleben.
Was für ein Prachtstag. Die Regenwolken lösten sich an Sonntagmittag auf, die Sonne brach hervor, die Luft war frisch und die Sicht glasklar: ein goldiger Herbsttag kündigte sich an. Auf dem Stevens Pass hatte sich eine Gruppe Hiker um ein Auto versammelt: Trailmagic. Von Skykomish kommend, gesellte ich mich dazu.
Lilian aus Hongkong ist da. Er ist arg zurück gefallen, nachdem er die Heidelbeeren entdeckt hat. Auf den weiblichen Trailnamen ist er stolz, seine taiwanesische Verlobte hat ihn ihm gegeben. Er geht auf ein taiwanesische Seemannslied zurück, die genau so schnulzig scheinen, wie die unseren. Lilian ist die wartende Seemannsbraut, die allen Versuchungen widersteht und unbeirrt auf ihren Liebsten wartet. Dieser besteht alle möglichen Gefahren im konkreten Falle auf dem PCT, bevor es zum Happy End kommt. Warum er nun als Seefahrer/ Wanderer Lilian heisst, kann er nicht erklären, er strahlt als Antwort glückselig vor sich hin. Marathon Man aus Südkorea hat Schmerzen am rechten Fuss und geht zur ärztlichen Abklärung nach Seattle. Die Gruppe löst sich langsam auf, ich mache mich mit Jan, 26, Schweizer auf zum 100 Meilen nördlich liegenden letzten Etappen- oder "resupply"-ort: Stehekin. Jan bin ich am ersten Tag in Hauser Creek begegnet und vor kurzem erneut auf dem Snoquolmie Pass. Ich bin gestern in seinem Windschatten die letzten 17 Meilen bis Stevens Pass gelaufen. Jan ist in gewissen Belangen das männliche Pendant zu Nonstop, er weiss immer was "z'brechte". Es war so kurzweilig, wir waren im Nu da.
Die Komplimente für meine Waden haben schlagartig aufgehört. Ich habe am rechten Oberschenkel und der Wade einen starken Hautausschlag entwickelt. Ich muss mit "poison oak" (Gifteiche) in Kontakt geraten sein. Nach den betroffenen Stellen zu urteilen, muss es beim Erledigen einer dringlichen Angelegenheit gewesen sein. Ich finde, es sieht auch beeindruckend aus.
Was für Prachtstage! Jetzt, wo die Sicht glasklar ist, wird mir erst bewusst, wie zermürbend die Rauchtage gewesen sind. Das Wetter hält die ganze Woche und beschert uns ein Finale wie man es sich schöner nicht wünschen könnte. Der Trail bewegt sich zwischen 1500 und 2500 Metern rauf und runter. In der Höhe tut sich eine Weite auf, in der man sich verlieren könnte, immer neue Bergketten tauchen am Horizont auf. In den Gebirgstäler durchlaufen wir uralte Waldbestände. Die alpine Landschaft wirkt auf mich vertraut, sie erinnert an die Schweizer Bergwelt. Der Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass wir munter Schwyzerdütsch plaudern.
Am Dienstag bin ich zwei Wanderreitern begegnet. Bill und Joe haben über die Jahre fast den ganzen PCT gemacht. Die nächsten Meilen würden schwierig werden; sie hätten viele umgestürzte Bäume zu überwinden. Tatsächlich treffe ich sie beim nächsten Mal beim Durchsägen einer umgestürzten Tanne an, um den Weg für ihre beiden Reitpferde und das Maultier frei zuräumen. Es wartet noch viel Arbeit auf sie.
Sonntag, 10. September 2017
Snoquolmie Pass- Skykomish, 10.9.17/ TM 2461
"Seltsam, im Nebel zu wandern. Einsam ist jeder Busch und Stein. Kein Baum sieht den anderen, jeder ist allein". Gar so dramatisch wie von Hermann Hesse beschrieben ist der Rauchdunst nicht, aber er beschwört eine eigentümliche Stimmung herauf. Die Fernsicht war die letzten Tage deutlich eingeschränkt, die Bergketten, die ich durchwanderte, deuteten ihre Konturen hinter einem milchigen Schleier diskret an, manchmal rieselt es Asche und die Zeitwahrnehmung verändert sich. Durch die ungewohnten Lichtverhältnisse fühlt es sich ständig wie später Nachmittag an. Es hat einige Hiker zu diesem späten Zeitpunkt zum Aufgeben bewogen. Ich bin gleichwohl froh, wieder am Wandern zu sein. Ein bisschen melancholisch vielleicht, weil auf einmal alles so schnell geht und der krönende Abschluss, Washington, seine Reize verborgen hält. Hoffentlich ändert sich das noch.
Am Abend (DO) treffe ich auf vier Rettungssanitäter; sie hätten einen Notruf erhalten. Bei Rauch würden der Helikopter nicht fliegen. Sie rechnen damit, die hilfsbedürftige Person über mehrere Stunden in der Nacht hinunter tragen zu müssen. Sie hätten noch Pferde zur Unterstützung angefordert. Ziemlich aufwändige Angelegenheit.
Es herrschte reges Treiben auf dem Snoquolmie Pass, als ich am Mittwoch (6.9.) dort eintraf. Nachdem ich mit mir einig geworden bin, wie ich mit der bisher grössten Wegsperrung umgehen will, bin ich autostopend zum nächsten Etappenort gereist. Ich hatte, wie immer Glück. Das Schild " PCT Hiker to...." tat seine Wirkung. Etwa 20 Hiker (North- und Southbound) waren auf dem Pass und taten geschäftig. Die Sperrung des Trails zwischen den beiden Etappen hat einige Folgen: Transport muss organisiert werden, Proviant verpackt und ein Update bzgl. Feuerentwicklung eingeholt werden. Dazwischen wird gegessen, getrunken und getratscht. Die Hikerbox war am Überquellen, der überflüssige Proviant wurde paketweise hineingeleert. Ideale Verhältnisse für eine Schnäppchenjägerin wie mich. Ich habe mir auch für Washington keinen Proviant vorausgeschickt, das hat bis jetzt bestens geklappt. Mein Essen ist meist eine Mischung aus Einkauf und Hikerbox vor Ort. Bis jetzt bin ich gut damit gefahren, musste, mich an keine Postöffnungzeiten halten und bequem ist es alleweil. Und nebst all' dem Treiben taucht unverhofft wieder ein bekanntes Gesicht auf. Tratschen gehört mit dazu (von wegen Fifty Shades ist wieder solo). Francoise war auch da. Die Ärmste hat weiterhin an Gewicht verloren und ist nur noch Haut und Knochen. Sie meint, dass sie nach dem PCT wieder zulegen wird. Bei mir hat sich mein Wandergewicht nach der Sierra längst wieder normalisiert. Ich habe einige Kilos weniger als normal und hoffe, dass dem so bleibt. Nach dem PCT ist " Displizin" gefragt, wie meine Mutter das nennen würde.
Am Freitag kam Wind auf und es klarte auf. Es wanderte sich sogleich beschwingter durch diese rauhe, irgendwie vertraute Bergwelt. Der PCT wird von einem Tal ins andere geführt, ein ständiges auf und ab und folgt zwischendurch einem Höhenzug.
In der Nacht begann es leicht zu regnen und das sollte den ganzen Tag über so bleiben. Denkbar ungewohnt und für mich zu einem idealen Zeitpunkt: in ein paar Stunden würde ich in Skykomish sein. Falls das alte Regenzeug nicht dicht halten sollte, wäre das nicht weiter tragisch.
PS
Ja, " Shining" wurde in der Timberline Lodge gedreht.
Samstag, 9. September 2017
Snoquolmie Pass- Skykomish, 10.9.17/ TM 2461
"Seltsam, im Nebel zu wandern. Einsam ist jeder Busch und Stein. Kein Baum sieht den anderen, jeder ist allein". Gar so dramatisch wie von Hermann Hesse beschrieben ist der Rauchdunst nicht, aber er beschwört eine eigentümliche Stimmung herauf. Die Fernsicht war die letzten Tage deutlich eingeschränkt, die Bergketten, die ich durchwanderte, deuteten ihre Konturen hinter einem milchigen Schleier diskret an, manchmal rieselt es Asche und die Zeitwahrnehmung verändert sich. Durch die ungewohnten Lichtverhältnisse fühlt es sich ständig wie später Nachmittag an. Es hat einige Hiker zu diesem späten Zeitpunkt zum Aufgeben bewogen. Ich bin gleichwohl froh, wieder am Wandern zu sein. Ein bisschen melancholisch vielleicht, weil auf einmal alles so schnell geht und der krönende Abschluss, Washington, seine Reize verborgen hält. Hoffentlich ändert sich das noch.
Am Abend (DO) treffe ich auf vier Rettungssanitäter; sie hätten einen Notruf erhalten. Bei Rauch würden der Helikopter nicht fliegen. Sie rechnen damit, die hilfsbedürftige Person über mehrere Stunden in der Nacht hinunter tragen zu müssen. Sie hätten noch Pferde zur Unterstützung angefordert. Ziemlich aufwändige Angelegenheit.
Es herrschte reges Treiben auf dem Snoquolmie Pass, als ich am Mittwoch (6.9.) dort eintraf. Nachdem ich mit mir einig geworden bin, wie ich mit der bisher grössten Wegsperrung umgehen will, bin ich autostopend zum nächsten Etappenort gereist. Ich hatte, wie immer Glück. Das Schild " PCT Hiker to...." tat seine Wirkung. Etwa 20 Hiker (North- und Southbound) waren auf dem Pass und taten geschäftig. Die Sperrung des Trails zwischen den beiden Etappen hat einige Folgen: Transport muss organisiert werden, Proviant verpackt und ein Update bzgl. Feuerentwicklung eingeholt werden. Dazwischen wird gegessen, getrunken und getratscht. Die Hikerbox war am Überquellen, der überflüssige Proviant wurde paketweise hineingeleert. Ideale Verhältnisse für eine Schnäppchenjägerin wie mich. Ich habe mir auch für Washington keinen Proviant vorausgeschickt, das hat bis jetzt bestens geklappt. Mein Essen ist meist eine Mischung aus Einkauf und Hikerbox vor Ort. Bis jetzt bin ich gut damit gefahren, musste, mich an keine Postöffnungzeiten halten und bequem ist es alleweil. Und nebst all' dem Treiben taucht unverhofft wieder ein bekanntes Gesicht auf. Tratschen gehört mit dazu (von wegen Fifty Shades ist wieder solo). Francoise war auch da. Die Ärmste hat weiterhin an Gewicht verloren und ist nur noch Haut und Knochen. Sie meint, dass sie nach dem PCT wieder zulegen wird. Bei mir hat sich mein Wandergewicht nach der Sierra längst wieder normalisiert. Ich habe einige Kilos weniger als normal und hoffe, dass dem so bleibt. Nach dem PCT ist " Displizin" gefragt, wie meine Mutter das nennen würde.
Am Freitag kam Wind auf und es klarte auf. Es wanderte sich sogleich beschwingter durch diese rauhe, irgendwie vertraute Bergwelt. Der PCT wird von einem Tal ins andere geführt, ein ständiges auf und ab und folgt zwischendurch einem Höhenzug.
In der Nacht begann es leicht zu regnen und das sollte den ganzen Tag über so bleiben. Denkbar ungewohnt und für mich zu einem idealen Zeitpunkt: in ein paar Stunden würde ich in Skykomish sein. Falls das alte Regenzeug nicht dicht halten sollte, wäre das nicht weiter tragisch.
PS
Ja, " Shining" wurde in der Timberline Lodge gedreht.
Mittwoch, 6. September 2017
Dienstag, 5. September 2017
Trout Lake- White Pass, 5.9.17/TM 2303
Was für eine Überraschung. Ich war völlig überwältigt von dem Anblick, der sich mir bot. Ich war spät dran (Heidelbeeren!), der Tag neigte sich seinem Ende zu und ich war auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit mit Wasser. Ich hörte einen Bach und folgte dem Geräusch. Nach 300 Metern stand ich auf einer Wiese, am Fuss von Mount Adams, der im Sonnenuntergang glühte. Es lässt sich nicht beschreiben, ohne kitschig zu tönen.
Was für ein Gegensatz zu gestern Abend (2.9.) Ein Trailangel, hatte uns vor Trout Lake überrascht und nebst essen und trinken einen Kinofilm angekündigt. Punkt 19.00 zeigte er auf seinem Laptop den Film "Everest". Danach habe ich mich verzogen, ich musste nach soviel Drama noch ein paar Schritte laufen, auch wenn das hiess, mir im Dunkeln einen Schlafplatz zu suchen. Ich habe mich gleich neben dem Trail in die Büsche geschlagen, weil ich die auf der Karte eingetragene "tentsite"* nicht gefunden habe. Vielleicht hätte ich bleiben sollen, obwohl ich aus dem feucht- fröhlichen Treiben, das sich nebenher entwickelte hatte, herausgefallen war. Gear Up, der Trailangel, hatte nebst AYCE (All you can eat), auch AYCD angeboten und das zeigte langsam Wirkung.
Am nächsten Tag meldete sich das aus Oregon bestens bekannte Rauchphänomen zurück. Der Weg führte aus dem Wald hinaus Richtung Goat Rocks Wilderness. Ein spektakulärer Abschnitt, der mehrere Kilometer über einen Grat geführt wird. Ich habe weder die wilden Ziegen, noch die anderen Berühmtheiten Washington's (Mount Rainier, Mount Helena und Mount Adams) zu sehen bekommen; der Rauch war zu dicht. Schade.
Beim Abstieg heute (5.9.) Richtung White Pass nahm die Rauchkonzentration zu. Es überraschte mich nicht weiter, dass ein weiterer Abschnitt des PCT gesperrt worden ist. Ich ahnte, dass es nun soweit war: ich habe die erste Lücke: beinahe 100 Meilen (160km). 70 Meilen wurden heute Vormittag ohne Alternative gesperrt, 25 Meilen (40km) bis zum Chinook Pass sind offiziell noch begehbar. Ich habe mir Zeit gelassen mit der Entscheidung und kam zum Schluss, dass es unsinnig ist, bei der Rauchkonzentration die 25 Meilen zu gehen, mit dem Risiko, später evakuiert werden zu müssen. Die Wetterbedingungen sprechen derzeit für eine Ausbreitung der Feuer, entsprechend war die Entwicklung in den letzten Tagen. Sie ist dramatisch.
Ich sitze ungeplant in einem Hotelzimmer in North Bend, auf dem Weg zum Snoquolmie Pass und versuche, mir über meine Gefühlslage klar zu werden. Washington galt bezüglich Waldbränden als unproblematisch, das Sperrgebiet beim White Pass wurde vor einer Woche erweitert(50 Meilen), dann zurückgestuft (23 Meilen) und heute erneut ausgedehnt (70 Meilen). Ich weiss, wie trocken es ist und dass zu allem Übel Wind die Feuer rasant ausbreitet und habe einige Wandertage im Rauchdunst verbracht. Ich habe keine andere Lösung gesehen. Ja, es " mag mi". Die Auswirkung der Feuer sind konkret, das heisst seh- und riechbar, was die Entscheidung erleichterte. Bedauern tue ich sie trotzdem, aber das werde ich laufend überwinden.
* "tentsites" sind wiederholt benutzte Flächen, ohne jegliche Infrastruktur, die auf det PCT Karte vermerkt sind. Durch die Nutzung sind sie von Unterholz gereinigt. Natürlich gibt es zusätzlich jede Menge Plätzchen, die sich zum Zelten eignen.
Samstag, 2. September 2017
Washington State, Trout Lake 2.9.17/ TM 2226
Der PCT überquert bei Cascade Locks den Columbia River über die "bridge of gods", verlässt Oregon und erreicht Washington. Der Name geht auf die indianische Urbevölkerung zurück, die einen Erdrutsch, der ihnen als Brücke diente, so benannten. Der Name wurde bei später von Menschenhand erstellten Brücken beibehalten. Es war ein bewegender Moment, über diese Brücke dem letzten Abschnitt entgegen zu laufen. Ich lache, ich weine, ich jutze und schliesslich wird mir auch noch "trömmlig", nachdem ich es nicht lassen konnte, durch die Bodengitter in die Tiefe zu schauen.
Mal abgesehen vom Tal des Columbia River hat sich landschaftlich (noch) nichts verändert. Der Weg führt durch Wald. Die Luftfeuchtigkeit ist höher, ansonsten ist es im nassen NW dieses Jahr vor allem heiss und trocken. Ab White Pass ist der PCT waldbrandbedingt für eine Strecke gesperrt; auch da: nichts Neues.Amerika versinkt in Natur- und anderen Katastrophen.
WASHINGTON. Es fühlt sich anders an, als ob mir damit das Ziel abhanden gekommen wäre. Ich wurde oft gefragt, ob ich eine Thru Hikerin sei. Ich habe das nie bejaht, sondern dahingehend beantwortet, dass ich mir das erhoffe. Unabhängig davon, was die restliche Strecke noch passieren wird; die Gewissheit, dass ich den Thru Hike physisch und psychisch zu schaffen imstande bin, ist über 2100 Meilen gewachsen. Die verbleibende Zeit und Strecke sind eine Zugabe, die andere Themen beinhaltet: meine Auszeit geht langsam ihrem Ende entgegen, in einem Monat sitze ich im Flugzeug nach Hause. Und das ist gut so. Andere Bedürfnisse beginnen sich zu melden. Ich höre nun ab und zu Podcasts, die ich vor Monaten heruntergeladen habe, um dann darüber zu sinnieren.
Bevor ich zur letzten Etappe aufgebrochen bin, habe ich kurzentschlossen zwei Tage in Portland verbracht. "Keep Portland weird" ist der Stadtslogan und die Bewohner sind stolz darauf, anders zu ticken. Elmar holte mich in Cascade Locks ab und brachte mich trotz strenger Arbeitswoche am Dienstagabend wieder zurück. Ich fand Portland äusserst attraktiv und hätte mehr Zeit dort verbringen können, aber dann hätte ich mich wohl zu sehr vom PCT entfernt und es wäre schwieriger geworden, auf den Trail zurückzugehen.
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