Dienstag, 23. Mai 2017

Lakes Hughes-Hiker Town-Mojavewüste TM 534, 24.5.17

Ich hatte schon einiges über Hiker Town gehört: dass der frühere Besitzer den Hikern sehr zugeneigt gewesen sei, ein wahrer Trailangel (=alles gratis), dass sich nach dem Besitzerwechsel einiges verändert hätte und heute einer Abzockerei gleichkomme. Hiker Town ist eine charmant verkommene, urige Liegenschaft am Rande der Mojave Wüste und liegt am PCT. Sie soll heute einem Filmregisseur gehören, was den Eindruck von Filmkulisse erklären mag, den man beim Betreten des Grundstückes erhält. Überall stehen kleine, angeschriebene Häuschen, wo man übernachten kann: das Schulhaus, Gemeindehaus, Arzthaus etc. Das Ganze wird von Bob verwaltet, dem es fast peinlich ist, Geld für die Übernachtung in einem der Häuschen zu verlangen (10$). Ich habe das Doctor s House bezogen, ein Ein-Personen- Häuschen, um wiedermal nachschlafen zu können.

Die letzten 80 Kilometern herrscht Trailangel- Dichte: Agua Dulce, Green Valley, Hiker Town (Neenach), es ist ein Flohnerleben. Es wird sich weiter nördlich ändern, bis dahin nutze ich das Angebot, wenn es den am Wege liegt.

Und wenn ich Euch auch noch erzähle, dass ich vor kurzem entdeckt habe, dass ich letztes Jahr ein App heruntergeladen habe, das sich als GPS entpuppt hat...dann ist der Abenteuerstatus definitiv dahin. Der Weg ist ausserordentlich gut markiert. Ich wollte das Kartenmaterial ursprünglich in Papier, finde es aber nicht mehr notwendig. Auf dem GPS sind zudem noch die Wasserquellen eingezeichnet...das erleichtert doch einiges im Vergleich zu früheren Zeiten.

Vorgestern ging ich nach Lakes Hughes, um im dortigen historischen Rock Inn die Mittagshitze abzuessen. Ich war nicht die einzige; ein ganzer Stammtisch voll befand sich bereits schon dort.

Morello hat einen Hang zum Melodram, sie muss italienische Wurzeln haben. Ich hatte eben meine Wasserflaschen abgefüllt, mir lange genug zugeredet, die Strasse zurück zum PCT zu laufen...als sich die Türe öffnete und Morello, Teddybär im Gefolge, herein gestürzt kam. Sie konnte mir nicht erzählen, was los war und deutete auf ihren ausgetrockneten Mund. Teddybär erfasste die Situation sofort und zauberte eine Cola herbei. Daraufhin fand Morello ihre Sprache wieder. Und wie. Sie erzählte mir ein halbes Dutzend Mal, dass sie in der Mittagshitze den Berg hochgestiegen und sie an ihre Grenze gelangt sei(en). Die Hitze mache sie fertig, noch am Morgen seien sie 10 Meilen geflogen, und dann dies. Teddybär und sie hätten sich in der schattenlosen Gegend unter ihre Sonnenschirme geduckt und zwei Stunden ihre Situation erörtert, dann seien sie umgekehrt. Ich war des Lobes voll über die Reife ihrer Entscheidung, obwohl nie ganz klar ist, wer was wann entscheidet bei dem Duo.

Ich treffe nun beinahe täglich auf Morello.  Meist an Orten, die sie vorhatte, auszulassen. Teddybär' s Zelt schmiegt sich in der Zwischenzeit eng an Morellos an und die Krisentelefonate mit ihrem Partner zu Hause nehmen an Häufigkeit und Länge zu. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass Teddybär Gefallen an der Situation gefunden hat. Aber da “wir“ beschlossen haben umzukehren, ist das natürlich pure Spekulation.
Fortsetzung folgt.

Und während ich das schreibe, sitze ich im Schatten eines grossen Wohnmobils bzw. Aufliegers. Joey und Tom habe beschlossen, heute die durch die Mojavewüste laufenden Hiker zu verwöhnen. Vom Fussbad über Tacos und gekühlte Getränke: alles da.
Es war ein zäher Morgen für mich. Der Weg verlief grösstenteils auf dem Los Angeles Aquädukt, welcher 1913 erbaut worden ist und Wasser vom Owen Valley nach Los Angeles führt. Das Wasser wird ohne Pumpen, nur durch das Gefälle fortbewegt, deshalb die seltsame Linienführung. Ich habe mich schwer getan auf dem harten Untergrund und einfach Meilen “gemacht“ und zwar ab morgens um Vier, wegen der Hitze. Habe mich versucht, auf die Weite, den Himmel und die Wüstenpflanzen zu konzentrieren, es blieb eine freudlose Angelegenheit. Die unerwartete und grosszügige Trailmagic hat die inneren Kämpfe sofort ein Ende gesetzt und seither bin ich wieder des Wanderns froh.

Montag, 22. Mai 2017

Lake Hughes, 22.5.17/ Jahresgedächtnis

Ich denke oft an meine Mutter. Ich meinte, ihre Anwesenheit förmlich zu spüren, als ich mich bei Saufley's an die Nähmaschine zu setzen wagte, um meine Hose zu flicken. Wenn Mutter noch leben würde, sie hätte diesen seltenen Anblick ausgekostet. Sie hätte wohl über ihre in jungen Jahren erworbenen Nähkentnisse referiert und einen Bogen zu den mangelhaften handarbeiterischen Fähigkeiten meiner Generation im allgemeinen und meiner im besonderen geschlagen und sich damit bestens unterhalten.
Unsere Beziehung war über die Jahre zu einer unbelasteten und heiteren gewachsen. Ihre zunehmende Abhängigkeit von fremder Hilfe, hat diese Leichtigkeit und Klarheit nicht beeinträchtigt
, eher zu stärken vermocht.
Morgen jährt sich ihr Todestag. Erinnerungen an ihre letzten Wochen tauchen auf. Die emotionale Achterbahn der letzten Tage und Nächte in ihrem Leben. Die Intensität des bewussten Abschiedes. Manche Dinge hätte ich mir anders gewünscht und haben einen dunklen Nachklang. Ich erinnere mich an meine erste Zenlehrerin, Pia Gyger Roshi. Die sagte ihren hadernden Schülerinnen jeweils: “Bedenke, Gott ist grösser als dein Herz“.

Wir hatten davon gesprochen, meine Mutter und ich, dass ich mir vor dem offiziellen Pensionierung eine Auszeit nehmen werde. Sie wusste auch, dass ich auf sie Rücksicht nehmen würde.
Und jetzt gedenke ich ihrer auf dem PCT und verneige mich vor den Fügungen.

Samstag, 20. Mai 2017

Agua Dulce, ein Frei-Tag, TM 454, 20.5.17

Es verwundert mich immer noch und immer wieder, dass ich mich an Orten wieder finde, über die ich vorher gelesen habe. Ich sitze im Hiker Heaven. Die Saufley 's, ehemalige Thru- Hiker, stellen ihr Haus und Umschwung seit 20 Jahren den PCT Hikern zur Verfügung. Sie beherbergen max 50 Personen täglich, heute sind wir etwa 35. Das geht generalstabsmässig vor sich. Ein Freiwilliger empfängt einem, weist einem ein: da sind die Wäschesäcke, da die Aufladestationen, dort die Duschliste, hier die Poststation und dort kannst du dein Zelt aufstellen. Agua Dulce hat keine Post, sie übernehmen das. Man kann für den ganzen Service etwas hinterlassen, muss aber nicht. Wirklich beeindruckend.
Habe einige bekannte Gesichter wiedergesehen, eine “gfreute“ Sache.

Der kurze Weg von Acton nach Agua Dulce ist spektakulär. Der erste Teil war geprägt von goldenem Flughafer und Yucca Pflanzen. Ich habe mitten all' dieser Pracht gezeltet, jetzt wieder ohne Aussenhülle mit freier Sicht auf den Nachthimmel. Der zweite Teil der Strecke verlief durch die rötlichen Vasquez Rocks, benannt nach einem Gauner, der sich im vorletzten Jahrhundert dort versteckt haben soll. Erfolglos übrigens. Irgendwann ereilte ihn das Schicksal von Tom Dooley. Die Vasquez Rocks sind durch Form und Farbe anders und Ausdruck einmal mehr von den Verschiebungen um das San Andreas Spaltensystem herum. Die Gegend wird oft als Kulisse für Filme benutzt.

Die Sierra rückt näher und damit die Frage, wie mit dem Jahrhundertschnee dort oben umzugehen ist. (TM 706) Tatsächlich ist es ein Rekordschneejahr; die höchste Schneemenge seit 1982. Warten, bis der Schnee schmilzt, weiter wandern oder, was einige Amerikaner in Erwägung ziehen, nach Ashland reisen und die Sierras von Norden nach Süden zu durchwandern. Mittlerweilen neige ich dazu, gleich weiterzuziehen. Auf Schnee wandern ist zwar mühsam, aber die Schneeschmelze macht die Flüsse vermutlich unpassierbar.

Aber vorerst wartet noch die Wüste, wie es sich anhört, der heisseste Teil der Strecke. Wir streifen die Mojave Wüste. Überhaupt haben die letzten Tage einen gewaltigen Temperatursprung gebracht. Das ist Teil der ersten 1000 km, dieser stete Wechsel von höheren zu niedrigeren Lagen und deren Begleiterscheinungen. Künftig werde ich über die Hitze klönen.

Es schöns Wochenändi, ziehe morgen wieder weiter nach zwei ruhigeren Tagen.

Freitag, 19. Mai 2017

Fotos San Gabriel- Mt.Baden- Richtung Wüstenboden

Mount Baden Powell- Los Angeles NF, Acton TM 444

Ich bin wieder einige Klimazonen 'rauf und 'runter gewandert und einige Millimeter auf der Landkarte vorgerückt.
Ich habe das trostlos verlassene und tropfende Besucherzentrum bei Wrightwood verlassen und mich wieder auf den Weg gemacht. Das Wetter besserte sich stündlich, die Nebelschwaden lichteten sich, die Abendsonne drang durch, ich brauchte nicht mit mir zu hadern wegen des gesparten Hotelzimmers. Auf eine kalte Nacht folgte ein klarer, sonniger Tag. Gute Bedingungen, um auf den zu Ehren des Begründers der Pfadfinderbewegung benannten Berges, Mt. Baden- Powell zu steigen. Die Aussicht oben war ebenso lohnenswert wie die windgeformten Limber Kiefern, die ältesten sollen bis zu 2000 Jahre alt sein. Der Abstieg erfolgte über einen langgezogenen Bergrücken oberhalb der unteren Baumgrenze. Für einmal wurde der PCT seinem Namen gerecht.
Nach den Bergetappen wurde der Weg wieder flach. Unabgesprochen bildete sich eine Gruppe von sieben Hikern und ab ging s wie die Feuerwehr. Wir brausten im Höllentempo durch das flache Teil, eine zumindest imaginäre Staubwolke hinter uns her ziehend. Es machte richtig Spass. Der Körper ist eingelaufen, das Fett schmilzt dahin und die Laufmuskeln ausgebildet. Die erste Wasserquelle habe ich zum Anlass genommen, auszusteigen.

Es ist windstill. Der Wind hatte die letzten Tage am Zelt gerüttelt, mich beinahe vom Trail gepustet und vor allen Dingen meinen Kocher in Frage gestellt. Ich habe einige warme Mahlzeiten ausgelassen, weil es in dieser trockenen Gegend bei Starkwinden zu riskant gewesen wäre, damit zu kochen. Das Fonduerechaud, für solche Fälle gedacht, hat den Test nicht bestanden. Ich wusste, dass es langsam war, aber doch nicht ewig. An einem dieser kaffeelosen Morgen hatte ich schweren Herzens beschlossen, mein Holzkocherli zu ersetzen. Gourmet- Heiko hatte mir seinen MSR Kocher mit Name Pocket Rocket vorgeführt, das hat den Entscheid erleichtert.

Es ist windstill. Vorbei die ketzerischen Gedanken über mein Holzkocherli. Ich widerrufe hiermit meine gestrige Entscheidung. Es ist einfach zu schön, vor dem kleinen Feuerchen zu sitzen. Ich mag die Athmosphäre, die es verbreitet. Es macht nichts, dass es länger dauert. Wann immer ich koche, habe ich Zeit, will mich ausbreiten in dieser Zwischenzeit, vor oder nach der Aktivität. Das lässt sich nicht durch ein High- Tech-Gerät ersetzen.
Es gibt Wanderer, die sind zur Gewichtsoptimierung ohne Kocher unterwegs. Sie weichen ihre Mahlzeiten lange genug in Wasser ein und sind damit zufrieden. Unvorstellbar für mich. Ganz zu schweigen vom herzerwärmenden Feuerchen das gerade so gemütlich vor sich hin lodert.

Gourmet- Heiko, ein 20- Meiler, ist mir auch abhanden gekommen. Ich werde ihm vor der Post in Agua Dulce auflauern, wenn er mit seinem zu überschweren Rucksack daher gekeucht kommt. Werde warten, bis er mit seinem überflüssigen Päckli rauskommt und ihm anbieten, seine Last zu erleichtern. Vielleicht werde ich ihm einige seiner Gourmet Menüs abkaufen, wobei, wenn ich es mir so überlege, ist das eine Win- Win- Situation und die sollte man nicht mit finanziellen Überlegungen zerstören.
Ihr seht, das Essen hat nun doch an Bedeutung gewonnen. Sobald ich esse, merke ich, dass ich endlos weiterfuttern könnte.

Was für ein Tag, eben bin ich auf den Campingplatz bei Acton eingelaufen und was höre ich da: “Little Roumänä“. Morello ist ebenso begeistert wie ich, über das unverhoffte Zusammentreffen. Sie hat unsere Gruppe ebenso verloren. Sie verrät mir das Geheimnis ihrer stets roten Lippen, sie sind tätowiert. Das Geheimnis ihrer weissen Fingernägel: ständige, vermutlich obsessive Pflege. Sie hat ihre Anfangsschwierigkeiten überwunden und ist mit ihrem Wanderpartner flott unterwegs. Auf Morello ist Verlass, unsere Wege werden sich wieder kreuzen.

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Donnerstag, 18. Mai 2017

Moderne Probleme

Diesmal wird's ausnahmsweise kurz und bündig. Der Akku ist beinahe leer und die Powerbank tut nicht, wie sie sollte.
Und ich bin ca 2 Tage von der nächsten Ortschaft (Acton oder Agua Dulce) entfernt.
Bei mir läuft alles seinen gewohnten Gang. Nach einigen wettermässig unbequemen Tagen, ist es wieder milder geworden. Der Abstieg in die Wüste steht bevor. Dort dürfte es wieder einheizen. Melde mich am Wochenende wieder, das gibt Euch Gelegenheit mir ausführliche Mails zu schicken.

Montag, 15. Mai 2017

Cajon Pass- Wrightwood TM 369, 15.5.17

Der Weg vom Cajon Pass in die San Gabriel Mountains war eintönig. Er führte durch abgebrannte Flächen, wo noch kein Grün nachgewachsen war. Einzig die Yuccapflanzen leuchteten in ihrem zarten Gelb aus dem Grau-Schwarz heraus. Die Aussicht war umso eindrücklicher: auf den riesigen zurückliegenden Pass, auf die bewohnte Ebene westlich davon.

Ich traf den ganzen Nachmittag keine Menschenseele. Die meisten wollten ausgiebig Zeit im McDonald verbringen. Ich war die erste, die dort eintraf und blieb etwa zwei Stunden. Alle paar Minuten stiessen neue Leute dazu. Als ich ging, sassen da bestimmt 25 Hiker, die allesamt vom Frühstück zum Mittagessen übergegangen waren.
An der Türe traf ich Don, der leicht säuerlich wirkte. Es ist mir unbegreiflich, warum dieser bisher äusserst zuvorkommende Mann auf einmal eine solche Konkurrenzhaltung hatte aufbauen können.

Das Wetter beim Aufstieg kam mir bekannt vor:  es blies ein heftiger Wind von der Küste heran. Es schien, als ob der Wind versuchen würde, die Wolken über die westliche Bergkette ins Landesinnere zu treiben. Ein prächtiges Schauspiel, das schon am Gorgonio Pass aufgetreten war. Dort hatten es die Wolken nicht geschafft. In den San Gabriel Mountains hingegen sorgten sie für einen eigentlichen Wintereinbruch.
Ich übernachtete auf knapp 2000 m Höhe. Und ausnahmsweise hatte ich ein ziemliches Gelage. Heiko, der sich im voraus 140 Trekking- Gourmet- Mahlzeiten in 28 Packeten auf die Etappenorte hatte zuschicken lassen, mochte nicht mehr nach. (“ Du wirst der Einzige sein, der nicht abnehmen wird“, habe seine Partnerin gesagt) “Spicy chicken over peanut sauce“ hatte er mir vermacht und dazu gab es ein Bier, das wie von einem Trailangel hingelegt, brandneu am Wege lag. Ich fühlte mich gewappnet.
Gegen morgen um 4:00 begann es leicht zu schneien. Was wie ein Spuk begann, sollte den ganzen Tag anhalten. Eisheilige in Kalifornien, die kalte Sofie, die ist bestimmt schuld.

Die französische Sofie hingegen, die wir schon vermisst glaubten, traf völlig abgehetzt bei McDonald ein. ( Das ist nicht ganz chronologisch, aber der Übergang zu reizvoll, um auszulassen) Das Wandertempo scheint derzeit durch die resolute Tree bestimmt zu werden. Der Rhythmus ist für viele, die zu zweit oder in Gruppen laufen, eine ziemliche Herausforderung. Auch das Rudel hat sich nach wenigen Tagen aufgelöst; zu unterschiedlich die Vorstellungen. Viele haben konkrete Pläne, wieviel sie täglich laufen wollen: 12, 20, 25 Meilen, wissen im voraus, wo sie übernachten werden.
Ich habe lasse mich treiben, möchte mich aber was die tägliche Strecke betrifft, etwas zurücknehmen. Seit heute Montag betrete ich Neuland. Ich war noch nie länger als 3 Wochen fernwandern und habe Respekt davor, was die Beanspruchung auslösen könnte. Ich bin eingelaufen, habe keinerlei Beschwerden und ich laufe wie in Trance. “Högerli uf, Högerli ab.....“ Gleichwohl möchte ich mich nicht verausgaben, nichts überreizen.

Heute bin ich mit dem festen Entschluss, nach der Winterwanderung in Wrightwood zu übernachten, in die Ortschaft gestopt. Äusserst freundliche, hilfsbereite Menschen. Gleichwohl: nichts zu machen. Die PCT Hiker haben den Ort wetterbedingt überschwemmt. Die Betten sind besetzt oder zu teuer. Jetzt sitze ich beim Visitor Center zwar im Trockenen, aber vor geschlossener Tür. Die haben nicht mit mir gerechnet und bei dem Sauwetter vorzeitig geschlossen. Dann halt zurück auf den Trail.  Bin gespannt, wie' s weiter geht.  Vielleicht ist es einer jener Situationen, wo ich mir in ein paar Stunden die Haare raufen und mich fragen werde, warum ich die 150$ für ein Zimmer nicht hingeblättert habe. Krämerseele!?

Samstag, 13. Mai 2017

Deep Creek- Silverwood Lake- Cajon Pass TM 342, 14.5.17

Was für ein abwechslungsreicher Tag. Vorgestern Freitag folgte der Weg der Schlucht des Deep Creek flussabwärts. Nach 10 Meilen hatte der noch heisse  Quellen zu bieten.
Übernachtet haben wir beim Mojave River Damm. Google wusste, dass das Ungetüm zur Flutkontrolle des Mojave River gebaut wurde. Und unter “wir“ sind ein paar Wanderer gemeint, welche die letzten Tage immer wieder aufeinander getroffen sind. Mike, ein Südkalifornier, der seine Violine mitträgt, Sofie, eine Französin, die kaum englisch spricht und ihre chinesische Wanderpartnerin, die kein französisch, dafür englisch spricht.
Es trifft sich oft so, dass auf einer flachen Stelle, in Wassernähe, sich bis Sonnenuntergang einige Leute einfinden und ihre Zelte aufstellen.
Ich zelte mal alleine, mal mit anderen, je nach Lust und Laune, Wasserbedarf und Müdigkeit.

Schade, ich habe “meine“ Clique verloren. Irgendwie waren die ersten Wandertage besonders emotional, mit all' der anfänglichen Verwunderung und Unsicherheiten darüber, sich auf dem PCT zu befinden.

Seit Freitagabend verläuft der Weg in Zivilisationsnähe. Auf dem Silverlake, ein Stausee als Wasserreserve von Los Angeles gebaut, sausen die Motorboote über die Wasserfläche. Kurz, bevor der PCT vom See wegführt, ist eine grosse Picknickanlage. Und dorthin kann man sich Pizza liefern lassen, was ausgiebig genutzt wurde. Das war eine unglaubliche Angelegenheit: nach einer Stunde tauchte der Pizzalieferdienst auf, brachte Pizza, Mineralwasser und Eis. Das war ein Genuss. Mike hat für Sofie und Tree mitbestellt, die seltsamerweise nie aufgetaucht sind. Mike hatte Pizza zum Frühstück. Während ich schreibe, sitze ich im McDonald auf dem Cajon Pass. Wie Ihr sehen könnt, die letzten Tage bestanden aus lauter kulinarischen Höhepunkten.

Eben trifft Don, 65, mit seinem mächtigen weissen Rauschebart ein. Er fragt stets alle Grauhaarigen nach ihrem Alter. Er ist nicht der Älteste auf dem Trail, dieser Rang hat ihm Dave, 66, ein drahtiger Australier, abgelaufen. Und mich fragt er jeweils betont beiläufig, wie ich es denn geschafft hätte, ihn zu überholen. “ I jumped the freight train, Sweetie“

Wenn man sich dem Cajon Pass nähert, wird endlich sichtbar, was schon die ganze Nacht hörbar gewesen ist. Nebst intensivem Strassenverkehr fahren lange Güterzüge  langsam und ständig hupend durch die Gegend.
Von oben sieht der Cajon Pass wie umgepflügt aus. Die tektonischen Aktivitäten um die Andreas Spalte scheinen hier besonders sichtbar zu sein.

Ich will wieder los, hoch in die San Gabriel Mountains, bevor die Mittagshitze zuschlägt.

E schöne Sonntig