Montag, 25. September 2017

Seattle- Victoria- Vancouver, 27.9.- 1.10.17

Einmal mehr ist ein Kontrastprogramm angesagt. Heute morgen bin ich noch in der Untergeschoss- Suite bei Kay und Randy erwacht. Heute Abend schlafe ich bei Trailangel Dick und seiner Frau. Er hat sich als demokratisch- sozialistischer Aktivist vorgestellt und analysiert sogleich die aktuelle Lage. In seinem kleinen Haus leben verschiedenste Menschen: nebst ihm und seiner Frau, ein Somalier, ein amerikanisches Paar und immer mal wieder ein PCT Hiker. Ich bin nur für eine Nacht hier, um morgen in der Frühe die Fähre nach Kanada rechtzeitig zu erreichen.

Ich hatte mir stets vorgestellt, zum Abschluss dieser Reise mit dem Schiff nach Vancouver zu reisen. Eine direkte Verbindung auf dem Seeweg wird es erst ab nächstem Jahr geben deshalb reise ich via Victoria, Vancouver Island an.

Ich hatte vorgängig mit einem Trailangel in Vancouver Kontakt aufgenommen. Es hörte sich gut an, dass die Ü 50er im Haus logieren können und die Aussicht, bis zum Schluss mit der Hikerszene verbunden zu bleiben, passte mir. Als weniger reizvoll entpuppte sich, was ich antraf. In einem heruntergekommenen Haus traf ich auf eine mürrische Vertretung, die von nichts wusste. Ich machte mich sogleich auf, einen gastlicheren Ort zu finden, obwohl online alles ausgebucht war. Und wurde fündig.

Fast alle Vorhaben sind verwirklicht: ich bin satt, es ist Zeit, den Heimweg anzutreten und den Blog zu beenden. Es ist an der Zeit, wieder direkt mit Euch zu reden und aufzuholen, was in Eurem Leben in den vergangenen Monaten geschehen ist. Schliesslich, während ich gelaufen bin, habt Ihr gearbeitet, Euch pensionieren lassen, Kinder zu Bett gebracht, habt geheiratet, eine Firma gegründet, ein Haus gekauft, habt gekündigt und Neues in Angriff genommen, geliebt und entliebt und ich- ich war immer noch am Laufen.

Ob ich Euch verändert vorkommen werde? Weichgespült und sanftmütig durch die amerikanische Sprache, die im Umgang oft positiv(istisch) ist und gewisse Ausdrücke wie "love" und "fun" inflationär gebraucht?
Ohne etwas anderes zu tun, als zu laufen, hatte ich einen Sonderstatus. Ich wurde mit positiv(...) Attributen versehen; allen voran meine Radlerwaden. ("I love your calves") Was ich zuerst als Witz verstanden, habe ich schliesslich ohne Wimpernzucken entgegengenommen. Ich habe sogar die nächste Hürde in Angriff genommen und mich darin geübt, die Wörter "love, fun" und "awesome" in alle möglichen Sätze einzubauen. Ob ich dadurch irgendwelche Langzeitschäden davon tragen werde? Ich verlasse mich auf Euch, Ihr werdet mir die Antwort schonend beibringen.

Als ich 1982 von meiner ersten längeren US- Reise zurückkehrte, haben sich meine beiden Schwestern, Lisa und Vreni, krankgelacht, als sie mich mit dem Deux Chevaux vom Basler Bahnhof abholten. Als Zeichen der äusseren Veränderung hatte ich mir Locken drehen lassen.  Als Zeichen der inneren Reifung hatte sich mein Wortschatz erweitert. Ich fand alles "very exiting" und habe zwischendurch " Sweetie etc." eingestreut. Was nicht zu Anerkennung meiner Entwicklung, sondern zu weiteren, hemmungslosen Lachanfällen geführt hat.

Letztlich werden sich die wichtigsten Fragen erst in der direkten Begegnung mit Euch beantworten lassen. Ich freue mich sehr auf Euch
und den Rückflug:

" I nehme no e Campari Soda.
Wiit onder mer liegt's Wolkemeer.
Dr Ventilator summet liisli
Es isch als gäb s mi nömme meh"

                           Fertig

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